Reisebericht Jonas Fehling

Reisebericht Jonas Fehling | Meine Reise

 

18000km, 197 Tage, 20 Hostels, 6 Sonnenbrillen, 4 Gastfamilien, 2 Inseln, viele neue Freunde und Erfahrungen und das alles in einer Reise. Das war meine Zeit in Neuseeland. Noch Fragen? Für alle diejenigen, denen das jetzt etwas knapp war, folgt hier mein ganz persönlicher Reisebericht.

 

Mit 18 Jahren, als frisch gebackener Abiturient packte ich meinen Rucksack und stieg ins Flugzeug Richtung Neuseeland. Ganz alleine stand ich 24 Stunden später am Flughafen in Auckland, der größten Stadt Neuseelands.
Und wie war das, ganz alleine am anderen Ende der Welt zu stehen? Kein Problem! Einfach in den Bus Richtung City gehüpft und schon war ich mitten drin im entspannten Leben der Kiwis (so nennen sich die Einwohner Neuseelands selber). Schon im Bus machte ich Bekanntschaft mit der stets freundlichen und hilfsbereiten Art der Kiwis. Einem Mann fiel auf, wie ich mich unsicher nach meiner Bushaltestelle umsah. Er half mir sofort, an der richtigen Station auszusteigen. So verlief meine Ankunft in Auckland so glatt, wie nur irgend möglich.

Das es auch weiter so gut lief, habe ich dem Work-Travel-Fun-Neuseeland Team zu verdanken. Nachdem ich einen Tag lang auf eigene Faust mehr oder weniger planvoll durch die Stadt gelaufen war, traf ich mich am Abend mit André, dem für mich zuständigen Mitarbeiter von Work-Travel-Fun-Neuseeland, um den sogenannten „Kiwi-Infoabend“ zu machen. Zusammen mit André ging ich alle wichtigen Formulare vom beantragen der Steuernummer bis zur Eröffnung eines Bankkontos durch und erhielt noch viele weitere wichtige Tipps und Tricks für ein erfolgreiches Backpacker-Leben in Neuseeland.

Die nächsten fünf Wochen verbrachte ich dann in WWOOFing Familien im Northland (WWOOF steht für Willing Workers On Organic Farms). Für ein paar Stunden Arbeit am Tag, darf man in der Familie leben und bekommt so einen sehr guten Eindruck von dem normalen Leben der Kiwis. Meine Arbeit bestand in beiden Familien darin, bei ihren jeweiligen Bauprojekten zu helfen. Nachdem am Morgen gearbeitet wurde, stand der Nachmittag meistens zur freien Verfügung, So nutzte ich die Nachmittage, um die Gegend zu erkunden. An einem komplett freien Tag, machte ich dann meine erste Tagestour ans Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt Neuseelands. Riesige Kauri-Bäume wechselten sich ab mit gewaltigen Sanddühnen, die man mit einem Surfbrett hinunter cruisen konnte.

Nach fünf Wochen in verschiedenen Familien, begann dann meine erste Hardcore-Travelphase. Drei Wochen lang ging es von Ort zu Ort, von Hostel zu Hostel, von Attraktion zu Attraktion und ich wurde selten enttäuscht. Unvergessen bleiben der Sonnenaufgang direkt am Meer am Mt. Maunganui, der Ausflug nach White Island, dem aktivsten Vulkan Neuseelands, der Champagner Lake im nach Schwefel stinkenden Rotorua (man gewöhnst sich sehr schnell daran) oder der Ausblick aus der Cable Car in Wellington. Und das alles ganz alleine? Nein, natürlich nicht. Denn auch wenn ich alleine nach Neuseeland gekommen war, hatte ich oft Reisebegleiter, die ich in den verschiedensten Hostels kennen lernte.

Während dieser ganzen ereignisreichen Zeit hielt ich ständig die Augen offen nach einem Job, der mir in Zukunft das Geld zum Reisen verschaffen sollte. Klappen wollte das zunächst nicht. Obwohl ich viele Bewerbungen schrieb und nicht wählerisch in der Art des Jobs war, hagelte es zunächst Absagen. Erst nach zwei Monaten, als ich bereits auf der Südinsel angekommen war, erhielt ich die Zusage für ein Jobinterview in Christchurch, jener Stadt, die 2011 von einem Erdbeben sehr schwer beschädigt worden war. Ich buchte also den nächsten Bus aus Nelson nach Christchurch, um am nächsten Tag pünktlich zu erscheinen. Drei Tage später war mein erster Arbeitstag.
Im Gegensatz zu den meisten Backpackern in Christchurch half ich nicht beim Wiederaufbau, sondern ging von Tür zu Tür um Versicherungen zu verkaufen. Zwei Monate lang schlüpfte ich jeden Tag in meinen Anzug, ging ins Büro, wo ich für meine Aufgabe trainiert wurde und setzte mich anschließend in den Bus, um in den für den Tag angesetzten Vorort zu fahren. Nach nur zwei Wochen in der Firma, stieg ich in die Postion eines Leaders auf. Am gleichen Wochenende flog ich zum Firmenmeeting nach Rotorua, inklusive Unterbringung im Vier-Sterne-Hotel, Drei-Gänge-Menü und freien Getränken an der abendlichen Bar. Eine sehr willkommene Abwechslung zum sonst etwas spartanischen Backpacker-Leben. Mein persönliches Highlight war die Auszeichnung, die ich als „Rising Star“ am Abend bekam. In der Zeit danach arbeitete ich kontinuierlich hart um mein Einkommen auf die Spitze zu treiben, da ich auf Komission bezahlt wurde. Verschweigen will ich an dieser Stelle nicht, dass es durchaus weniger rosige Zeiten gab, als meine Verkaufszahlen schlechter waren als ich mir das vorgestellt hatte und mein Gehalt gerade so zum Überleben reichte. Nach knapp 10 Wochen Arbeit hatte ich dann aber das Geld zusammen, um endlich wieder Reisen zu können.
Meine Zeit in Christchurch wäre sicherlich nicht so positiv in meinem Gedächtnis haften geblieben, hätte es nicht meine Flat-Mates gegeben. Zusammen mit 15 anderen, zumeist Backpackern, lebte ich in einer Flat (eine Art WG) im Zentrum von Christchurch. Nach einem harten Arbeitstag traf ich zu Hause immer auf bekannte Gesichter mit denen ich am Wochenende zum Beispiel eine zwei-tägige Wanderung in den Southern-Alps machte.
Dementsprechend schwer viel mir der Abschied aus Christchurch, als ich dann zu meinen letzten sieben Wochen Reisen in Neuseeland aufbrach.

Mit einem Rucksack auf dem Rücken, einem kleinen Rucksack auf dem Bauch und mit meinem Daumen als Fahrkarte machte ich mich auf Richtung Westküste. Das Trampen oder Hitch-Hiken, wie es hier genannt wird, hat bei mir immer problemlos geklappt. Einmal bin ich bei einer Rosenlieferantin mitgefahren. Der ganze Laderaum war vollgestellt mit Rosen in allen Farben, die einen herrlichen Duft verströmten. Von der wilden Schönheit der Westküste und der einmaligen Erfahrung auf einem Gletscher zu stehen, ging es in das ruhigere Fijordland, wo ich zusammen mit einer Freundin Weihnachten fernab der Familie feierte. Der viertägige Kepler-Track, den wir zusammen meisterten, bot einmal mehr unglaubliche Ausblicke. Vom Fiordland ging es über die Stundenstadt Dunedin, die Partystadt Queenstown und die sonnigste Stadt Neuseelands Nelson zurück nach Auckland. Insgesamt war diese letzte Phase des Reisens deutlich entspannter als das Reisen zu Beginn meines Abenteuers. Durch die Gewissheit, nicht mehr Arbeiten zu müssen und dem Gefühl, dass man in Neuseeland zumindest immer schöne Landschaft hat, lässt sich alles mit einer größeren inneren Ruhe angehen.

Und blitzschnell war das halbe Jahr in Neuseeland schon wieder vorbei und ich saß im Flugzeug nach Hause. Jetzt blicke ich auf meinen Notizzettel, mit den ganzen Stichpunkten die ich in meinen Text einbauen wollte, und stelle fest, dass ich nur ein Bruchteil der Punkte abgehakt habe. Aber all diese Erfahrungen könnte ihr dann ja selber machen und am Ende geht jeder seinen eigenen Weg.

 

Vielen Dank an Jonas für den schönen Reisebericht.

Work-Travel-Fun-Neuseeland Team.

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